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CE-FAQ

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Da so viele SpielzeugkleinherstellerInnen bei uns anfragen, beantworten wir hier kurz die häufigsten Fragen und fassen allgemeine erste Schritte zur Spielzeugherstellung kurz für euch zusammen.

Häufige Fragen

Muss ich für Spielzeug auch jetzt schon eine CE-Kennzeichnung anbringen?


Antwort: JA!

Die CE-Kennzeichnung wurde ursprünglich als Reisepass für den Binnenhandel eingeführt. Dann aber für jedes Spielzeug verpflichtend gemacht. Nach Richtlinie 88/378/EWG ist seit dem 1.Januar 1991 kein Verkauf ohne CE-Kennzeichnung erlaubt. Die neue Richtlinie 2009/48/EG trat am 20.07.2011 ohne Übergangsfrist in Kraft. Nur Spielzeug, das zu dem Zeitpunkt schon im Handel war darf noch weiter verkauft werden (aber mit CE-Kennzeichnung nach den Vorgaben der alten Richtlinie!). Bis 19. Juli 2013 haben einzig die Forderung der chemischen Eigenschaften eine Übergangsfrist. Grobe Änderungen der Richtlinie:

  • Die Spielzeugdefinition ist erweitert worden - d.h. mehr Produkte fallen unter die Bezeichnung Spielzeug.
  • Die Lärmbelästigung durch Spielzeug ist geändert und
  • Die Schadstoffrichtlinie ist erweitert und geändert worden.


Gilt die Spielzeugrichtlinie und CE-Kennzeichnungspflicht auch für Unikate, individuelle Auftragsarbeiten, Kunsthandwerk und Kleinserien und auch bei Werbegeschenken oder Gewinnen?


Antwort: JA!

Sobald Du ein Spielzeug mit Gewinn/Verkauf/Werbeabsicht bzw. nicht für den Eigenbedarf aber gewerblich herstellst, bist Du Hersteller und stehst in der Pflicht alle gesetzlichen Richtlinien (Richtlinie 2009/48/EG) für dein Produkt einzuhalten. Privatverkäufe im Spielzeugbereich gibt es auf Handelsplattformen wie DaWanda und etsy quasi nicht. Auch der Verkauf von gebrauchtem Spielzeug ist für Spielzeug, das erstmalig nach dem 20.Juni 2011 in Verkehr gebracht wurde ohne CE-Kennzeichnung und Konformitätserklärung im gewerblichen Bereich untersagt. Grundsätzlich gilt, sobald ein Spielzeug gewerblich in den Umlauf gebracht wird - dabei ist egal wie - ist es CE-kennzeichnungspflichtig.


Kann ich für mein Spielzeug irgendeine Ausnahmeregelung oder ein Schlupfloch finden?


Antwort: NEIN!

Die Spielzeugrichtlinie und CE-Kennzeichnungspflicht gibt es schon seit über 20 Jahren. Inzwischen kennen die Experten der EU-Kommission ihre Pappenheime und haben alle Schlupflöcher und Ausnahmeregelungen ganz eng gefasst. Fertigst Du Spielzeug für Kinder kannst du deine Produkte nicht einfach als Sammlerstücke oder Dekoration anbieten. Für Sammlerstücke gibt es eine eigene Einordnungs-Richtlinie und auch Dekoration oder Produkte mit einer Doppelfunktion (Teddy-Schlüsselanhänger) muss wie Spielzeug behandelt werden, wenn es mit diesem verwechselt werden könnte. Die Kindersicherheit hat oberste Priorität, so werden eher auch sog. Grauzonenprodukte vorsichtshalber den strengen Anforderungen der Spielzeugrichtlinie untergegeordnet. Grundsätzlich gilt: Alles, was ein Kind zum Spielen animiert (weil es wie ein Spielzeug aussieht) und sich in Kinder-Reichweite befindet ist als Spielzeug zu behandeln! Sogar Spielzeug für Tiere muss zum Teil das CE Zeichen tragen und nach der EN 71 hergestellt werden, wenn es ansprechend für Kinder ist.


Kann ich die CE-Kennzeichnung selbst vornehmen?


Antwort: JA!

Für die CE-Kennzeichnung und die damit verbundene Einhaltung der Spielzeugrichtlinie bist du als Hersteller allein verantwortlich. Du kannst sie selbst vornehmen oder (recht teuer) durch eine geeignete Stelle (TÜV/DEKRA/CE-Berater) veranlassen. Die Produkthaftung und Verantwortung liegt trotzdem weiterhin bei dir als Hersteller.


Ich bin doch nur ein kleiner Fisch mit wenigen Verkäufen im Jahr. Kann ich überhaupt abgemahnt oder kontrolliert werden?


Antwort: JA!

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Auch als Kleinunternehmer stehst Du in der Pflicht nur sichere, nicht gesundheitsschädliche Produkte herzustellen und anzubieten. Die Größe deines Unternehmens oder der Gewinn spielen dabei keine Rolle. Alle Produkte unterliegen dem ProdSG –Produktsicherheitsgesetz, die Spielzeugrichtlinie gliedert sich, mit speziellen Anforderungen zum Schutz von Kindern, daraus aus. Mitbewerber/Konkurenten aus dem gleichen Bereich können dich bei fehlender Konformität über einen Rechtsanwalt abmahnen lassen. Schließlich stecken sie Zeit und Geld in die sichere Produktion und minimieren dadurch ihren Gewinn, sie müssen ihre Produkte zu höheren Preisen anbieten. Fehlende Konformität stellt einen Wettbewerbsverstoß dar. Zudem kann dich jederzeit dein zuständiges Gewerbeaufsichtsamt kontrollieren oder ein Kunde kann dich melden, weil ihm dein Produkt nicht als Spielzeug geeignet erscheint, es konkrete Sicherheitsmängel aufweist oder ihm ein Schaden durch dein Produkt entstanden ist. Die Einhaltung der Richtlinie ist also auch ein Schutz für dich, du sicherst dich ab, indem du mögliche Gefahrenquellen bedenkst und bereits bei Konzeption und Produktion ausschließt.


Ist die Spielzeugherstellung für uns Kleinhersteller also gar nicht wirtschaftlich umsetzbar?


Antwort: JA und NEIN!

Grundsätzlich ist die Spielzeugherstellung auch in Kleinunternehmen und Ein-Frau/Mann-Betrieben möglich. Probleme stellen vor allem die fehlenden Informationen über die anzuwenden Richtlinien, oft leider auch die mangelnde Bereitschaft der intensiven Beschäftigung mit diesen dar. Es ist sehr schwierig alleine alle nötigen Informationen zusammenzutragen, für sich auszuwerten und auf seine Produkte anzuwenden. Gewerbeaufstichtsamt und IHK sind zwar gute erste Ansprechpartner, dürfen aber in konkreten Punkten nicht weiterhelfen, da sie keine Beratungsfunktion innehaben. Am einfachsten (und teuersten) ist, du wendest dich an einen Berater/Anwalt, der sich mit CE-Kennzeichnung für Spielzeug auskennt. Das kann über die Prüfinstitute (DEKRA/TÜV u.a.) erfolgen oder auch über den DVSI, dem dt. Verband der Spielwarenindustrie und seinem Qualitätssicherheitslabor. Die preisgünstigste und effektivste Lösung ist sicherlich eine Mischung aus eigenem Engagement, Wissensdurst und Austausch mit anderen Spielzeugkleinherstellern. Diese Möglichkeit bietet dir die Mitgliedschaft im Wir machen Spielzeug e.V.. Ob sich der Mitgliedsbeitrag (120 € im ersten Jahr und 60 € in jedem Folgejahr) für dich rechnet, musst Du selbst entscheiden und kalkulieren. Sicherlich ist die Spielzeugherstellung (Produktherstellung im Allgemeinen) nicht für Kleinhersteller geeignet, die sich nur ein Taschengeld dazu verdienen wollen.


Dann mache ich jetzt nur noch Kindermode und Kinderzimmerdekoration. Da muss ich mich um keine speziellen Richtlinien kümmern.


Antwort: NEIN!

Egal, welches Produkt du herstellst, es findet IMMER das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) Anwendung, das allen weiteren und speziellen Richtlinen übergeordnet ist. Produkte, die in Deutschland hergestellt und verkauft werden, müssen sicher sein und dürfen keine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Das nennt sich auch Verbraucherschutz. Du musst als Hersteller sicherstellen, dass von deinen Produkten kein gesundheitlicher Schaden oder Gefahr für den Endverbraucher ausgeht. Wenn Du Kinderkleidung oder Kinderzimmerdekoration herstellst, musst du sicherstellen, dass du alle gültigen Richtlinien/Normen erfüllst. Bei Textilen fasst beispielsweise noch dasTextilkennzeichnungsgesetz und es gibt die Selbstverpflichtungserlärung über den Verzicht von Kordeln und Bändern in Kindertextilien. Textilien sollten in Kinderprodukten immer nur mit Schadstoffbewertung/Zertifikaten nach EN 71-3/-9 (wegen der hohen Allergiegefährdung) verarbeitet werden. Bei leichtentflammbaren Kunstfasern (z.B. Fleecestoffe, Tüll) sollte dringend eine Flammprüfung nach EN 71-2 stattfinden. Als Hersteller stehst du auch hier in der Pflicht deine Materialien verantwortungsvoll auszuwählen und einzukaufen. "made with love" sollte auch beinhalten, dass die Mindestanforderungen an den Gesundheischutz von Kindern eingehalten werden. Deine Kunden und Kinder werden es dir danken.


Kann ich das CE-Kennzeichen schon einmal anbringen und mich dann nach und nach ins Thema einarbeiten und nachbessern?


Antwort: NEIN!

Die Spielzeugrichtlinie verbietet ausdrücklich das Inverkehrbingen von Spielzeug ohne vollständige Konformitätserklärung. Und da zählt bereits das Ausstellen zum Verkauf im Online-Shop oder auf dem Markt dazu.Erlaubt ist allerdings, Spielzeug ohne CE-Zeichen auf Messen auszustellen, es muss aber dann deutlich darauf hingewiesen werden, dass das Spielzeug noch nicht im Handel ist und noch kein CE-Zeichen trägt. Die Konformitätserklärung bestätigt die Einhaltung aller für dein Spielzeug relevanten Richtlinien. Die CE-Kennzeichnung ist nur der Hinweis am Spielzeug selbst, dass alle nötigen Unterlagen (für 10 Jahre!) vorhanden sind. Wendest Du bei deiner Spielzeugherstellung die DIN EN 71 (Spielzeugnorm) an, wird davon ausgegangen, dass du die Spielzeugrichtlinie erfüllst. Die Spielzeugnorm stellt so etwas wie ein Herstellungs-Handbuch dar, muss aber nicht angewendet werden, wenn du die Konformität auch auf andere Weise schlüssig nachweisen kannst. Ähnlich wie bei der Steuererklärung: die kannst du auch im eigenen Schuhkarton-Chaos-Prinzip machen, solange die Sachbearbeiterin bei Nachfragen dein System durchschauen kann und alles korrekt von dir abgerechnet ist. Mit einer geeigneten und anerkannten Steuer-Software (bei Spielzeug die DIN EN 71) oder dem Steuerberater (Spielzeug-CE-Berater/Prüfinstitut) geht das bedeutend einfacher.

Erste Schritte auf dem Weg zur Spielzeugherstellung

  1. Spielzeugrichtlinie (2009/48/EG) und erläuternde Leitlinie besorgen, durchlesen, CE-Kennzeichnung verstehen. Alle relevanten Links findest Du direkt in diesem post eingebettet.
  2. Kalkuliere und überlege Dir genau, ob die Spielzeug- und Kinderprodukteherstellung wirtschaftlich für dich ist.
  3. Technische Dokumentation und am besten die DIN EN 71 besorgen. Das ist viel Papierkram, aber du wirst danach verstehen, worum es eigentlich geht.
  4. Für dein Spielzeug relevanten Teile der DIN EN 71 lesen. Entweder kannst du diese über den Beuth-Verlag kaufen (teuer) oder bei einer der Auslegestellen in deiner Stadt einsehen (nur lesen und nicht kopieren, die Verwendung ist nur zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt). Als Vereinsmitglied erhälst Du von uns einen Online-Normenzugang.
  5. In den Verein Wir machen Spielzeug e.V. eintreten. Die Normenbenutzung und Produkteinschätzung ist für Mitglieder kostenlos. Der Mitgliedsbeitrag (für Kleinhersteller bis 17.500 € /Jahresumsatz) beträgt im ersten Jahr 120€/Jahr (einmalig 60,00 € Anmeldegebühr + 60 € Mitgliedsbeitrag) ab dem zweiten Jahr nur noch 5 €/Monat (60€/Jahr). Wir bieten unseren Mitgliedern eine berufliche Gemeinschaft mit Hilfestellung rund um die Spielzeugherstellung in der Manufaktur.
  6. Spielzeugrichtlinie komplett auf die eigenen Produkte anwenden.Spielzeug und Kinderprodukte müssen schon in der Entwurfsphase so entwickelt werden, dass sie der Spielzeugrichtlinie nicht widersprechen. Materialien solltest du immer mit Rückfrage und Bestätigung der Einhaltung der Grenzwerte nach EN 71-3/-9 einkaufen, um dir die nachträgliche Analyse zu sparen. Hilfe zur selbstständigen CE-Einordnung und Umsetztung findest Du in unserem Verein. Du kannst aber auch ein Prüfinstitut (TÜV/DEKRA/DVSI-Qualitätssicherung) mit der Erarbeitung der Konformitätserklärung und ggf. chemischen Analyse beauftragen.

Wir machen Spielzeug e.V.

Wir klären mit Behörden und CE-Beratern ab, wie die Einhaltung der Spielzeugrichtlinie in der Manufaktur wirtschaftlich möglich ist und wie wir den Einkauf von unbedenklichen Materialien richtlinienkonform belegen können. Zudem sind wir aktiv auf Materialrecherche und haben schon einige Erfolge zu verbuchen. Diese Informationen stellen wir unseren Vereins-Mitgliedern im Forum zur Verfügung.

Anmerkung

Dieser Beitrag dient als erste Orientierungshilfe und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Trotz sorgfältiger Recherchen bei der Erstellung dieses Artikels kann eine Haftung für den Inhalt nicht übernommen werden. Die in diesem Artikel dargestellten Erläuterungen erfolgen vorbehaltlich etwaiger Änderungen durch anstehende verordnungsrechtliche oder gesetzliche Änderungen. Diese Informationen stellen keine Rechtsberatung dar.